Förderschule Bad Buchau

Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt LERNEN

2016/17

LOKALES                                                                                                                             07.02.2017

Klaus Weiss

Fasnet als Unterrichtsfach kommt gut an

Schüler der Förderschule Bad Buchau freuen sich über den Besuch der Moorochsen

Brauchtum zum Anfassen: Die Förderschüler kennen sich jetzt bestens aus mit Moorochs & Co. 

KLAUS WEISS 

Bad Buchau sz Fasnet als lehrreiches Unterrichtsfach: Wissen ums Brauchtum vermitteln die Bad Buchauer Moorochsen schon seit Jahren mit ihrem Unterrichtsbesuch an der Federseeschule. Zunächst einmal war aber die Förderschule an der Reihe.

Zum Fasnetsauftakt hat die Schulleitung der Förderschule das Thema Fasnet und Moorochsen auf den Stundenplan gesetzt. Eine solche Unterrichtsstunde gibt es nur einmal im Jahr, denn schließlich ist Fasnet auch nur einmal im Jahr – und da sollte der Moorochsennachwuchs über die Narrenzunft und deren Maskengruppen Bescheid wissen.

Mit Karin Lahl und weiteren Zunftmitgliedern waren die Moorochsen mehr als gut vertreten. Lahl erklärte den aufmerksamen Schüler zunächst, wie die Fasnet entstanden ist und was sie mit Ostern zu tun hat. 40 Tage vor Ostern ist nämlich Aschermittwoch. Und da Ostern immer auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling fällt, kann man sich das Datum für die Fasnet ausrechnen.

Zunächst etwas ratlos standen die Schüler vor einem großen Haufen von Häsern und Masken der Zunft. Da sollte noch einer wissen, welche Teile aus dem Kleiderpuzzle zu welcher Maske gehört. Doch schon bald wurde sichtbar, dass etliche der Schüler von Haus aus mit den Moorochsenmasken vertraut sind. Treffsicher und zielstrebig ordneten sie die Kleidungsstücke und dazugehörigen Masken den Hästrägern zu. Welches Häs zu einem richtigen Moorochs gehört, lösten die Schüler mit Links. Dass der Moorochs seinen Namen einem Vogel, nämlich der Rohrdommel, verdankt, war dagegen nicht so geläufig. Und überrascht waren die Schüler, als sie vom Weller erfuhren: Das ist nicht nur eine Maske der Zunft, sondern auch der größte Süßwasserfisch im Federsee.

Ein wenig gruselig fanden die Schüler die Entstehungsgeschichte der Galgenvögel, die auf den früheren Richtplatz im Galgental in Kappel hinweisen. Freundlicher war dann schon die Herkunft der Seerosen. Und der knorrige Riedmeckeler zeugt von der harten Arbeit der Torfstecher bei Wind und Wetter im Federseeried. Und als Einzelmaske war Vater Federsee für die Narrenschar auch kein Unbekannter.

Ein lebhaftes Frage- und Antwortspiel ließ die Zeit schnell vergehen und Karin Lahl konnte dabei viele Fragen rund um die Moorochsenfasnet beantworten.

 

 

 

 15.06.2016

Ausflug ins Schulmuseum

Erstklässlerin Gloria auf dem Holzesel. Was damals in der Schule eine Strafe war, dient heute der Belustigung.

Foto: Förderschule Bad Buchau

 

Bad Buchau sz  Eine Zeitreise besonderer Art machten die Schüler der Klassen 1-6 der Förderschule Bad Buchau am Donnerstag mit ihren Lehrerinnen Hermine Reiter, Susanne Kneißle und dem Schulleiter Volker Braekau. Die  Zugfahrt nach Friedrichshafen mit dem Ziel eines Besuchs im Schulmuseum und ein Spaziergang an der Uferpromenade, waren besonders für die Jüngsten schon ein kleines Abenteuer. Im Schulmuseum tauchten die Kinder dann in die Schulzeit ihrer Urgroßeltern ein.                             

Das Schreiben von Buchstaben in Sütterlinschrift mit Griffeln auf Schiefertafeln forderte die ganze Aufmerksamkeit der Kinder. „Puh, ganz schön anstrengend!“ kommentiert ein Kind und meint damit das Sitzen auf den unbequemen, engen Holzbänken.“                                                                             

Besonders amüsant ist, als die Kinder versuchen, herauszufinden, welches Buben-, und welches Mädchenschulranzen waren. Überrascht lassen sie sich erklären, weshalb mit Fellstücken oder Blumen verzierte Tornister tatsächlich Jungen gehörten und schlichte ohne Verzierungen Mädchen. Für die richtige Zuordnung kommt es nicht etwa auf die Ästhetik an. Da Jungs, so behauptet zumindest die Museumsmitarbeiterin Frau Meier, eine größere Klappe hatten und frecher waren, war deren Lederklappe am Schulranzen lang und die der Mädchen kurz. Folglich hatten die Jungs auch mehr unter den drakonisch anmutenden Strafen zu leiden. Häufig mussten die Kinder sogar selbst die Äste sammeln, die zu einer Rute für die Züchtigung gebunden wurden. Teilweise verraten die Gesichter der Kinder ungläubiges Staunen angesichts der erlaubten Strafmaßnahmen wie Tatzen, Hosenspanner, stundenlanges Knien auf Holzscheiten. Pfiffige Jungs ließen damals nichts unversucht, um die Schläge zu mildern. Hosenböden wurden mit Leder oder sonstigen Unterlagen gepolstert, was meist nicht unbemerkt blieb.                                                    

Als die Schüler abwechselnd auf einem Holzesel, der als Symbol für Frechheit und Dummheit galt, sitzen dürfen und dabei Eselsohren tragen müssen, lachen die Mitschüler herzlich. Gerade diese Strafe aber war damals ganz besonders schlimm, da der Betroffene mit Einverständnis des Lehrers ausgelacht werden durfte, was quasi einem vom Lehrer legimitierten Mobbing gleichkam. Obendrein gab es nach solchen Strafen von den Eltern zu Hause noch „Nachschlag“ im wahrsten Sinne des Wortes mit einer ordentlichen Tracht Prügel. „Hände auf den Tisch, stumm sein wie ein Fisch!“ verlangt Frau Meier, die im Verlauf der Führung  die autoritäre Lehrerin mimt. Fast überrumpelt parieren die Kinder sofort und bemühen sich angestrengt, die zuvor erklärten Regeln beim Beantworten von Fragen einzuhalten. „Was ergibt drei und vier?“ Silvana meldet sich, wartet geduldig bis sie aufgerufen wird, steht auf und sagt: „Drei und vier ergibt sieben, Fräulein Lehrerin.“ Ein wenig wehmütig sind die Lehrer, als sie sehen, wie schnell sich die Kinder auf das Spiel einlassen und mit welchem Respekt sie „Fräulein Meier“ begegnen. Am Ende der Führung sind Lehrer und Schüler dennoch heilfroh, dass der heutigen Pädagogik trotz aller Kapriolen im Laufe der Zeit ein deutlich humaneres Menschenbild zugrunde liegt. Vielleicht aber werden die Lehrer jetzt hin und wieder zumindest in Sachen Respekt und Disziplin gut dosiert „Schule früher“ spielen, damit  ihre Schüler den spannenden Besuch im Schulmuseum nicht so schnell vergessen. Auch bei den monatlichen Besuchen im Altersheim Bad Buchau, soll  dieses Thema demnächst durch Erzählungen der Senioren noch einmal für die Kinder lebendig  werden.